Adolf A. Osterider – Künstler – Steiermärkischer Kunstverein Werkbund
Ehemaliger Präsident

Adolf Anton Osterider

Präsident 1988 – 1999Ehren-Präsident seit 1999

* 18.6.1924† 10.2.2019

Im Werkbund

Prof. OStR. Mag. art. Adolf Anton Osterider

1924–2019 | Künstler, Pädagoge, Mitbegründer des Werkbundes, Präsident und Ehrenpräsident des Steiermärkischen Kunstvereins Werkbund

Prof. OStR. Mag. art. Adolf Anton Osterider gehört zu den prägenden Persönlichkeiten des Steiermärkischen Kunstvereins Werkbund in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er wurde am 18. Juni 1924 in Graz geboren und starb am 10. Februar 2019 ebendort.1 Für die Geschichte des Werkbundes ist er nicht nur als bedeutender Künstler und Lehrer wichtig, sondern vor allem als eine Persönlichkeit der Kontinuität: als Mitbegründer, langjähriges Vorstandsmitglied, Vizepräsident, Präsident und späterer Ehrenpräsident.

Osterider war seit den frühen Nachkriegsjahren eng mit dem Werkbund verbunden. Die Quellen setzen diesen Beginn leicht unterschiedlich an: Die Stadt Graz und der Nachruf im Grazer Gemeinderat nennen 1950 als Jahr, in dem er mit gleichgesinnten Künstlern den Werkbund im Steirischen Kunstverein gründete; andere biografische Angaben nennen 1952 als Gründungsjahr beziehungsweise Gründungsmitgliedschaft im Steiermärkischen Kunstverein Werkbund.2 Für die Vereinsgeschichte ist entscheidend: Osterider gehörte zum frühen Kern jener Künstlergeneration, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem Steiermärkischen Kunstverein heraus den Werkbund als aktive künstlerische Gemeinschaft formte.

Diese frühe Werkbund-Generation stand stark in Verbindung mit der Grazer Kunstgewerbeschule. Die ausführliche Vereinschronik beschreibt, dass viele der Künstler, die in den neu geformten Werkbund eintraten, Schüler oder Absolventen der Kunstgewerbeschule waren. Unter ihnen wird auch Adolf Osterider genannt.3 Damit war er von Anfang an Teil jenes Milieus, das den Werkbund nach 1952 wesentlich prägte: eine Verbindung von künstlerischer Qualität, handwerklicher Schule, pädagogischem Anspruch und öffentlicher Verantwortung.

Osteriders späteres Präsidentenamt ist ohne diese Herkunft kaum zu verstehen. Er kam nicht von außen in den Verein, sondern wuchs aus dessen innerer Entwicklung heraus. Er kannte die Werkbund-Idee aus ihrer Nachkriegsentstehung, kannte die Künstler, die Lehrer, die Spannungen, die Ausstellungsorte und die Erwartungen an einen traditionsreichen Kunstverein. Gerade deshalb wurde er in den 1980er-Jahren zu einer wichtigen Figur der Stabilisierung.

Nach dem krankheitsbedingten Rücktritt Peter Richard Oberhubers im Jahr 1982 wurden die Vereinsgeschäfte zunächst interimistisch von den beiden Vizepräsidenten Dietrich Cordes und Adolf A. Osterider weitergeführt.4 In dieser Phase war der Verein auf praktische Umsicht angewiesen. Der Werkbund hatte eine lange Tradition, aber auch wechselnde Strukturen, Ausstellungsorte und organisatorische Belastungen. Osterider übernahm Verantwortung nicht erst mit der Wahl zum Präsidenten, sondern bereits in dieser Übergangszeit.

1985 wurde Stadtrat a. D. Hofrat Dr. Heinz Pammer zum Präsidenten gewählt; Adolf A. Osterider und Frank Peter Hofbauer wurden zu Vizepräsidenten bestellt.5 Diese Konstellation verband kulturpolitische Erfahrung mit künstlerischer Kompetenz. Pammer brachte als ehemaliger Kulturstadtrat öffentliche Autorität und städtische Vernetzung ein, während Osterider und Hofbauer den künstlerischen Kern des Vereins vertraten.

Nach Pammers Tod im Jahr 1986 führte Osterider den Verein zunächst interimistisch weiter. Die ausführliche Vereinschronik hält fest, dass ihm Pammer folgte, nachdem Osterider den Verein bereits 1987 interimistisch geleitet hatte.6 Die Kleine Werkbund-Chronik nennt dann für 1988 ausdrücklich: Prof. Mag. art. Adolf Anton Osterider wird Präsident des Steiermärkischen Kunstvereins Werkbund.7 Auch die Stadt Graz bestätigt seine Präsidentschaft von 1988 bis 1999.8

Osteriders Präsidentenzeit war damit keine zufällige Episode, sondern die Folge eines langen Mittragens des Vereins. Von der frühen Werkbund-Gründung über die Mitarbeit im Vorstand und die Vizepräsidentschaft bis zur interimistischen Leitung führte sein Weg organisch an die Spitze. Er war kein Präsident der großen kulturpolitischen Pose, sondern einer der ruhigen Verlässlichkeit. Gerade darin lag seine Stärke.

In die ersten Jahre seiner Präsidentschaft fiel das 125-jährige Bestehen des Steiermärkischen Kunstvereins Werkbund. 1990 wurde dieses Jubiläum mit einer Kollektivausstellung im Grazer Stadtmuseum und einer Festversammlung im Heimatsaal begangen.9 Solche Jubiläen waren für den Verein mehr als formale Rückblicke. Sie dienten dazu, die lange Geschichte des Kunstvereins sichtbar zu machen und zugleich die Gegenwart des Werkbundes als lebendige Künstlergemeinschaft zu bestätigen.

Die 125-Jahr-Publikation zeigt Osterider in der damaligen Vereinsführung noch als ersten Vizepräsidenten unter Hofrat Dr. Heinz Pammer. Im Aufnahmeausschuss wird er ebenfalls genannt.10 Das ist für sein späteres Präsidentenprofil wichtig: Osterider war nicht nur Repräsentant, sondern an der inneren Vereinsarbeit beteiligt. Aufnahmefragen, künstlerische Qualität, Mitgliederstruktur und Vereinsentwicklung gehörten damit zu jenem praktischen Feld, in dem er Verantwortung trug.

1995 beging der Werkbund sein 130-jähriges Bestehen. Die Kleine Werkbund-Chronik nennt für dieses Jahr eine Kollektivausstellung im Grazer Künstlerhaus sowie eine Kollektivausstellung „International“ im Österreichischen Kulturinstitut in Rom.11 Gerade diese Verbindung von Grazer Künstlerhaus und internationalem Auftritt ist kennzeichnend für die Tradition des Werkbundes: steirische Kunst sollte lokal verwurzelt bleiben, aber überregional sichtbar werden.

Osterider führte damit eine Linie weiter, die der Werkbund seit Peter Richard Oberhuber gepflegt hatte: Kontakte nach außen, Ausstellungen jenseits der Steiermark, Begegnungen mit anderen Kunstzentren und die Präsentation steirischer Künstlerinnen und Künstler in einem größeren kulturellen Raum. Sein Präsidentenamt stand nicht für einen Bruch, sondern für Fortführung und Festigung.

Ein wichtiger Aspekt seiner Amtszeit war die Wahrung des Gleichgewichts zwischen künstlerischem Anspruch und menschlicher Vereinsführung. Der Werkbund war und ist kein anonymer Ausstellungsbetrieb, sondern eine Gemeinschaft sehr unterschiedlicher Künstlerpersönlichkeiten. Ein solcher Verein braucht Leitung, aber auch Geduld, Gespräch und Vertrauen. Osterider brachte als langjähriger Pädagoge genau diese Fähigkeit mit: Er konnte Menschen führen, ohne sie zu vereinnahmen.

Seine pädagogische Biografie trug wesentlich zu dieser Präsidentenpersönlichkeit bei. Von 1956 bis 1986 unterrichtete er an der Höheren Technischen Bundeslehranstalt in Graz Zeichnen und Malen; später hatte er Lehraufträge an der Volkshochschule Graz und an der Pädagogischen Akademie.12 Als Lehrer war er über Jahrzehnte gewohnt, künstlerische Entwicklung zu begleiten. Diese Haltung übertrug sich auch auf den Verein: Er verstand Förderung nicht nur als Ausstellungsmöglichkeit, sondern als Ermutigung, als Begleitung und als ernsthafte Auseinandersetzung mit künstlerischer Arbeit.

Gerade weil eine eigene Künstlerdarstellung gesondert erfolgen soll, sei hier nur knapp festgehalten: Osteriders künstlerische Autorität verlieh seiner Vereinsführung besonderes Gewicht. Die Neue Galerie Graz würdigte ihn 2024 anlässlich seines 100. Geburtstages als einen der letzten Vertreter einer steirischen Moderne nach 1945 und hob seine Verbindung von Gegenständlichkeit und abstrakten Elementen hervor.13 Für den Werkbund bedeutete das: An seiner Spitze stand kein bloßer Funktionär, sondern ein Künstler, dessen eigene Arbeit und Haltung innerhalb der steirischen Kunstszene anerkannt waren.

Diese künstlerische Anerkennung zeigt sich auch in öffentlichen Ehrungen. Osterider erhielt unter anderem den Würdigungspreis für bildende Kunst des Landes Steiermark, das Große Goldene Ehrenzeichen des Landes Steiermark und das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst.14 1999 wurde er mit Gemeinderatsbeschluss zum Bürger der Stadt Graz ernannt.15 2010 erhielt er den Ehrenring des Landes Steiermark.16 Diese Auszeichnungen spiegeln nicht nur sein künstlerisches Werk, sondern auch seine Stellung als kulturelle Persönlichkeit der Stadt und des Landes.

Die Amtszeit Osteriders endete 1999. Der Werkbund-Katalog von 2015 nennt ihn als Präsidenten von 1988 bis 1999 und anschließend als Ehrenpräsidenten.17 Auch die Stadt Graz bezeichnet ihn im Nachruf ausdrücklich als Ehrenpräsidenten des Werkbundes im Steiermärkischen Kunstverein.18 Damit blieb seine Verbindung zum Verein über die aktive Präsidentschaft hinaus bestehen. Ehrenpräsidentschaft bedeutete hier nicht bloß einen Ehrentitel, sondern die Anerkennung eines jahrzehntelangen Mittragens.

Mit dem Jahr 2000 begann unter Curt Schnecker eine neue Phase der Vereinsgeschichte.19 Osteriders Präsidentschaft bildet damit die Brücke zwischen der Oberhuber-Pammer-Generation und der stärker international und interdisziplinär ausgerichteten Entwicklung der folgenden Jahrzehnte. Er übergab keinen stillstehenden Verein, sondern eine weiterhin aktive Künstlergemeinschaft mit gewachsener Tradition, klarer Identität und öffentlicher Präsenz.

Als Präsidentenpersönlichkeit steht Adolf Anton Osterider für Beständigkeit, künstlerische Seriosität und menschliche Verbindlichkeit. Er war kein Präsident, der den Verein neu erfinden musste; er war einer, der ihn durch eine sensible Übergangszeit führte. Nach den Wechseln der frühen 1980er-Jahre, nach dem Tod Pammers und nach dem Ende der Oberhuber-Ära gab er dem Werkbund Halt.

Sein Wirken erinnert daran, dass Vereinsgeschichte nicht nur durch große Programme entsteht. Sie entsteht auch durch Menschen, die über Jahrzehnte zuverlässig anwesend sind, Verantwortung übernehmen, Konflikte ausgleichen, junge und ältere Künstler zusammenhalten und dem Verein ein Gesicht geben. Osterider war eine solche Persönlichkeit. Er stand für eine stille Form von Autorität: nicht laut, nicht machtvoll, sondern getragen von Erfahrung, Können, pädagogischem Gespür und persönlicher Integrität.

Für den Steiermärkischen Kunstverein Werkbund bleibt Adolf Anton Osterider daher eine Schlüsselfigur. Als Mitbegründer der Werkbund-Formation, als langjähriger Lehrer, als Vizepräsident, Präsident und Ehrenpräsident verband er die künstlerische Nachkriegsgeneration mit der Vereinsgeschichte bis an die Schwelle des 21. Jahrhunderts. Seine Präsidentschaft war eine Phase der Bewahrung und Festigung — und gerade dadurch eine notwendige Grundlage für alles, was danach folgen konnte.

Fußnoten

  1. Stadt Graz, Nachruf in der öffentlichen Gemeinderatssitzung vom 14. März 2019: Adolf Anton Osterider wurde am 18. Juni 1924 in Graz geboren und starb am 10. Februar 2019 in Graz. Quelle
  2. Stadt Graz: 1950 Gründung des Werkbundes im Steirischen Kunstverein mit gleichgesinnten Künstlern; Bibliothek der Provinz: 1952 Gründungsmitglied des Steiermärkischen Kunstverein Werkbund. Quelle Stadt Graz; Quelle Bibliothek der Provinz
  3. Margit Fritz-Schafschetzy: „Der Steiermärkische Kunstverein im Wandel der Zeit“, zur Aufnahme von Schülern und Absolventen der Kunstgewerbeschule in den Kunstverein, darunter Adolf Osterider.
  4. Steiermärkischer Kunstverein Werkbund: Kleine Werkbund-Chronik, Eintrag 1982, zur interimistischen Weiterführung der Vereinsgeschäfte durch Dietrich Cordes und Adolf A. Osterider nach Oberhubers Rücktritt. Quelle
  5. Steiermärkischer Kunstverein Werkbund: Kleine Werkbund-Chronik, Eintrag 1985, zur Wahl Heinz Pammers und zur Bestellung von Adolf A. Osterider und Frank Peter Hofbauer als Vizepräsidenten. Quelle
  6. Fritz-Schafschetzy: „Der Steiermärkische Kunstverein im Wandel der Zeit“, zur interimistischen Leitung des Vereins durch Adolf Anton Osterider im Jahr 1987 und zu seiner Nachfolge nach Heinz Pammer.
  7. Steiermärkischer Kunstverein Werkbund: Kleine Werkbund-Chronik, Eintrag 1988: Prof. Mag. art. Adolf Anton Osterider wird Präsident des Steiermärkischen Kunstvereins Werkbund. Quelle
  8. Stadt Graz: „Prof. Mag. art. Adolf Anton Osterider“; Präsident des Werkbundes im Steirischen Kunstverein von 1988 bis 1999. Quelle
  9. Steiermärkischer Kunstverein Werkbund: Kleine Werkbund-Chronik, Eintrag 1990, zum 125-jährigen Bestehen, zur Kollektivausstellung im Grazer Stadtmuseum und zur Festversammlung im Heimatsaal. Quelle
  10. „125 Jahre Steiermärkischer Kunstverein Werkbund“, interne Werkbund-Publikation: Adolf A. Osterider als erster Vizepräsident und Mitglied des Aufnahmeausschusses.
  11. Steiermärkischer Kunstverein Werkbund: Kleine Werkbund-Chronik, Eintrag 1995, zum 130-jährigen Bestehen, zur Kollektivausstellung im Grazer Künstlerhaus und zur Ausstellung „International“ im Österreichischen Kulturinstitut in Rom. Quelle
  12. Stadt Graz: biografische Angaben zu Osteriders Lehrtätigkeit an der Höheren Technischen Bundeslehranstalt Graz, an der Volkshochschule und an der Pädagogischen Akademie. Quelle
  13. Neue Galerie Graz / Universalmuseum Joanneum: Ausstellung „Adolf A. Osterider“ zum 100. Geburtstag, mit Würdigung seiner Position innerhalb der steirischen Moderne nach 1945. Quelle
  14. Stadt Graz: Nachruf und Personenartikel zu Auszeichnungen, darunter Würdigungspreis für bildende Kunst des Landes Steiermark, Großes Goldenes Ehrenzeichen des Landes Steiermark und Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst. Quelle
  15. Stadt Graz, Nachruf: Ernennung zum Bürger der Stadt Graz mit Gemeinderatsbeschluss vom 23. September 1999. Quelle
  16. Land Steiermark: Ehrenring des Landes Steiermark für Prof. Mag. Adolf A. Osterider, Überreichung am 21. September 2010. Quelle
  17. Werkbund-Katalog „150 Jahre Steiermärkischer Kunstverein Werkbund“, Künstlerprofil Adolf Anton Osterider: Werkbundmitglied und Gründungsmitglied seit 1950, Präsident 1988–1999, ab 1999 Ehrenpräsident.
  18. Stadt Graz, Nachruf: Adolf Anton Osterider als Ehrenpräsident des Werkbundes im Steiermärkischen Kunstverein. Quelle
  19. Steiermärkischer Kunstverein Werkbund: Kleine Werkbund-Chronik, Eintrag 2000, Curt Schnecker wird Präsident des Steiermärkischen Kunstvereins Werkbund. Quelle