Dr. Heinz Pammer – Steiermärkischer Kunstverein Werkbund
Ehemaliger Präsident

Stadtrat a. D. Hofrat Dr. Heinz Pammer

Präsident 1985 – 1988

* 5.10.1921† 26.10.1986

Im Werkbund

1921–1986 | Jurist, Kulturstadtrat, Denkmalpfleger, Gründer des Internationalen Städteforums Graz und Präsident des Steiermärkischen Kunstvereins Werkbund

Stadtrat a. D. Hofrat Dr. Heinz Pammer gehört zu jenen Grazer Kulturpolitikern, die Kunst nicht aus der Distanz verwalteten, sondern durch persönliche Nähe, Gespräch und tätige Unterstützung förderten. Er wurde am 5. Oktober 1921 in Hartberg geboren und starb am 26. Oktober 1986 in Graz.1 Die Stadt Graz führt ihn als Ehrenringträger und würdigt ihn als Persönlichkeit, deren kulturelles Wirken weit über die Stadtgrenzen hinausreichte.2

Pammer studierte Rechtswissenschaften und promovierte 1948 an der Universität Graz zum Doktor der Rechte. Noch im selben Jahr trat er in den Dienst des Landes Steiermark ein. Drei Jahre lang war er Erster Sekretär des damaligen Landeshauptmannes Josef Krainer senior; 1956 wurde er zum Bezirkshauptmann von Leibnitz ernannt.3 In dieser frühen Verwaltungstätigkeit zeigte sich bereits jene Verbindung von Genauigkeit, Organisationstalent und menschlicher Kontaktfähigkeit, die später auch sein kulturpolitisches Wirken prägte.

Eine seiner frühen Initiativen war die sogenannte „Grenzlandförderung“. Sie sollte strukturschwächere Gebiete stärken und wirkte nach Angaben der Stadt Graz unter anderem durch den Ausbau des Straßennetzes und durch eine Verbesserung der Beziehungen zum damaligen Nachbarstaat Jugoslawien.4 1962 wurde Pammer Bezirkshauptmann von Graz-Umgebung.5

1963 folgte seine Berufung zum Stadtrat der Landeshauptstadt Graz. Insgesamt widmete Heinz Pammer 22 Jahre seines Lebens der Stadtpolitik; zunächst war er Liegenschaftsreferent, ab 1973 auch Kulturreferent.6 Damit rückte er in ein Amt, das seiner Persönlichkeit besonders entsprach. Für Pammer war Kultur nicht bloß ein Ressort, sondern ein Feld lebendiger Beziehungen: zu Künstlern, Vereinen, Institutionen, Städten, Denkmalpflegern und einem kunstinteressierten Publikum.

Gerade als Kulturstadtrat wurde Pammer zu einer prägenden Gestalt des Grazer Kunstlebens. Ein zeitgenössischer Nachruf hält fest, dass er in dieser Funktion mehr als 1.000 Ausstellungen eröffnet und mehrere hundert Atelierbesuche unternommen habe.7 Diese Zahl ist mehr als eine statistische Angabe. Sie zeigt, wie unmittelbar Pammer den Kontakt zur Künstlerschaft suchte. Er wollte nicht nur über Kunst sprechen, sondern dort sein, wo sie entstand: im Atelier, in der Ausstellung, im Gespräch mit den Künstlerinnen und Künstlern.

Sein Kulturverständnis war breit. Es umfasste bildende Kunst, Literatur, Stadtbild, Denkmalpflege, Altstadterhaltung und internationalen Austausch. Besonders deutlich wurde dies in seinem Einsatz für die Grazer Altstadt. Die Stadt Graz hebt hervor, dass Pammer von Anfang an großes Interesse an Denkmalpflege zeigte.8 Der Nachruf im „Naturschutzbrief“ nennt in diesem Zusammenhang seine Bemühungen um die Rettung und Erhaltung der Grazer Altstadt, die Ausgestaltung des Grazer Stadtmuseums im Palais Khuenberg und die Initiierung der Reihe „Kunst in der Altstadt“.9

1976 gründete Pammer das Internationale Städteforum Graz und stand diesem seit der Gründung als Präsident vor.10 Diese Institution wurde zu einem wichtigen Forum für Altstadterhaltung, Ortsbildpflege und Baukultur. Die Stadt Graz bezeichnet die Gründung des Städteforums als bedeutenden Wurf, der sich zu einer international anerkannten Einrichtung auf dem Gebiet der Altstadterhaltung und Ortsbildpflege entwickelte.11

Das Internationale Städteforum entsprach Pammers Art zu denken: lokal verwurzelt, aber europäisch ausgerichtet. Es ging ihm nicht um eine museale Erstarrung historischer Städte, sondern um einen verantwortungsvollen Umgang mit gewachsener Baukultur. Stadt sollte lebendig bleiben, ohne ihr Gedächtnis zu verlieren. Diese Haltung verbindet ihn unmittelbar mit dem Kunstverein: Auch der Steiermärkische Kunstverein Werkbund lebt aus der Spannung zwischen Tradition und Gegenwart.

In Pammers Zeit als Grazer Kulturpolitiker fiel auch eine starke internationale Öffnung der Stadt. Die Stadt Graz führt aus, dass seinem Arbeitseifer und seiner Kontaktfreudigkeit zu einem großen Teil zu verdanken sei, dass Graz 1979 vom Europarat den Europapreis erhielt.12 Auch im Archiv des steirischen herbst ist Pammer als kulturpolitisch wichtige Persönlichkeit der Stadt dokumentiert; dort wird er für die Jahre 1963 bis 1985 als Grazer Stadtrat der ÖVP geführt.13

Für den Steiermärkischen Kunstverein Werkbund wurde Heinz Pammer in einer Übergangsphase wichtig. Nach der langen prägenden Rolle Peter Richard Oberhubers und dessen Rückzug aus der aktiven Leitung brauchte der Verein organisatorische Stabilität, kulturelle Vernetzung und ein klares öffentliches Auftreten. Die ausführliche Vereinschronik hält fest, dass 1985 Stadtrat a. D. Hofrat Dr. Heinz Pammer zum Präsidenten des Werkbundes gewählt wurde.14

Auch die Kleine Werkbund-Chronik nennt seine Wahl im Jahr 1985: In der Generalversammlung wurde Pammer zum neuen Präsidenten gewählt; zu Vizepräsidenten wurden Adolf A. Osterider und Frank Peter Hofbauer bestellt. Dietrich Cordes, der seit 1982 als geschäftsführender Präsident wesentliche Aufbauarbeit geleistet hatte, wurde für seine Verdienste zum Ehrenpräsidenten auf Lebenszeit ernannt.15

Diese Konstellation war für den Verein klug und wichtig. Pammer brachte kulturpolitische Erfahrung, öffentliche Autorität und organisatorische Umsicht ein; mit Adolf Anton Osterider und Frank Peter Hofbauer standen ihm zugleich zwei profilierte Künstler als Vizepräsidenten zur Seite. Die ausführliche Werkbund-Geschichte beschreibt diese Phase als Neuorientierung der 1980er-Jahre: Pammer führte den Verein organisatorisch umsichtig und berief mit Osterider und Hofbauer zwei starke künstlerische Persönlichkeiten in die Vereinsführung.16

Seine Präsidentschaft war nur kurz, aber sie fiel in eine bewegte Vereinsphase. 1985 übersiedelte die obersteirische Werkbund-Dependance von Bruck an der Mur nach Kapfenberg in das „Galerie-Café am Lindenplatz“. Im selben Jahr stellte der Werkbund in Wien und Darmstadt aus und zeigte im Grazer Künstlerhaus unter dem Titel „Kunstlandschaft Schleswig-Holstein“ erstmals eine große Gastschau aus Norddeutschland.17 Diese Ereignisse zeigen, dass der Verein auch in der kurzen Pammer-Zeit aktiv blieb und überregionale Kontakte pflegte.

Gerade diese überregionale und internationale Offenheit entsprach Pammers eigener Biografie. Als Kulturstadtrat und Präsident des Internationalen Städteforums hatte er gelernt, Graz nicht isoliert zu denken. Der Austausch mit anderen Städten, Regionen und Ländern war für ihn kein Beiwerk, sondern ein kulturelles Prinzip. Auch im Werkbund konnte diese Haltung fruchtbar werden: Der Verein stand für steirische Kunst, aber nicht für Provinzialität.

In der Vereinsgeschichte war Pammer kein Künstlerpräsident im engeren Sinn. Er war kein Maler, Bildhauer oder Grafiker wie viele seiner Vorgänger und Nachfolger. Seine Stärke lag in der Vermittlung, im öffentlichen Auftreten, in der Kontaktpflege und im Bewusstsein für kulturelle Institutionen. Gerade deshalb war er für den Werkbund wichtig. Ein Künstlerverein braucht nicht nur künstlerische Qualität, sondern auch Menschen, die Brücken bauen: zur Politik, zur Stadt, zur Öffentlichkeit, zu Förderern und zu anderen Institutionen.

Der Zusammenhang mit Curt Schnecker ist für diese Phase ebenfalls bedeutsam. In einer biografischen Darstellung Schneckers wird festgehalten, dass dieser 1984 durch den damaligen Kulturstadtrat Hofrat Dr. Heinz Pammer in den Vorstand des Steiermärkischen Kunstvereins Werkbund aufgenommen wurde. Nach Pammers Tod wurde Schnecker mit der alleinigen Geschäftsführung des Vereins betraut.18 Damit wirkte Pammer auch indirekt auf die weitere Entwicklung des Vereins ein: Er öffnete einer Persönlichkeit den Weg, die den Werkbund später über viele Jahre organisatorisch und international prägen sollte.

Die 125-Jahr-Publikation des Steiermärkischen Kunstvereins Werkbund nennt Stadtrat i. R. W. Hofrat Dr. Heinz Pammer als Präsidenten des Vereins. Im damaligen Vorstand waren unter anderem Adolf Anton Osterider als erster Vizepräsident, Frank Peter Hofbauer als zweiter Vizepräsident, Dietrich Edmund Cordes als Ehrenpräsident und Curt Schnecker als Schriftführer vertreten.19 Diese Zusammensetzung zeigt, dass Pammer an der Spitze eines breit aufgestellten Vereins stand, in dem Künstler, Kunstfreunde, Organisatoren und Förderer zusammenwirkten.

Pammers Tod am 26. Oktober 1986 beendete seine Präsidentschaft nach kurzer Zeit.20 Die ausführliche Vereinschronik hält fest, dass er das Präsidentenamt bis zu seinem Tod 1986 ausübte; danach folgte Adolf Anton Osterider, der den Verein bereits 1987 interimistisch leitete.21 In der internen Präsidentenliste wird Pammer für die Jahre 1985 bis 1988 geführt.22 Für die historische Darstellung ist daher sauber zu formulieren: Pammer wurde 1985 gewählt und blieb bis zu seinem Tod 1986 Präsident; die anschließende Übergangsphase führte zur Präsidentschaft Osteriders.

Die Würdigung im „Naturschutzbrief“ zeichnet Pammer als Brückenbauer, als Mann des Dialogs und als Persönlichkeit mit Gespür für Fairness. Besonders hervorgehoben wird sein Bemühen, Kontakte zwischen Städten, Gemeinden und Institutionen in Ost und West Europas zu knüpfen.23 Diese Beschreibung trifft auch seine Bedeutung für den Werkbund. Er brachte nicht nur ein Amt mit, sondern eine Haltung: Kultur lebt vom Gespräch, vom Vertrauen, von Begegnung und von der Fähigkeit, Menschen zusammenzuführen.

Für den Steiermärkischen Kunstverein Werkbund steht Hofrat Dr. Heinz Pammer daher für eine kurze, aber wichtige Phase der Stabilisierung und öffentlichen Verankerung. Er führte den Verein nicht durch ein langes künstlerisches Programm, sondern durch seine Erfahrung als Kulturpolitiker, durch seine Nähe zu Künstlerinnen und Künstlern und durch sein Verständnis für Graz als Kulturstadt. In seiner Person verbanden sich Kunstförderung, Denkmalpflege, Stadtbildpflege, europäische Offenheit und institutionelle Verantwortung.

Sein Wirken erinnert daran, dass ein Kunstverein nicht nur aus Künstlern besteht, sondern auch aus Ermöglichern. Pammer war ein solcher Ermöglicher. Er sah Kunst nicht als schmückendes Beiwerk, sondern als lebendigen Teil der Stadt. Für Graz war er Kulturstadtrat, Denkmalpfleger und europäischer Netzwerker; für den Werkbund war er ein Präsident, der in einer Übergangszeit Halt gab, Türen öffnete und den Verein als Teil des kulturellen Gewissens der Stadt verstand.

Fußnoten

  1. Stadt Graz: „Hofrat Dr. Heinz Pammer“, geboren am 5. Oktober 1921 in Hartberg; verstorben am 26. Oktober 1986. Quelle
  2. Stadt Graz: „Hofrat Dr. Heinz Pammer“, Ehrenringträger der Stadt Graz; Gemeinderatsbeschluss 9. Oktober 1986, Festsitzung 30. Oktober 1986. Quelle
  3. Stadt Graz: „Hofrat Dr. Heinz Pammer“, Promotion 1948 an der Universität Graz, Eintritt in den Dienst des Landes Steiermark, Erster Sekretär von Landeshauptmann Josef Krainer, Bezirkshauptmann von Leibnitz ab 1956. Quelle
  4. Stadt Graz: „Hofrat Dr. Heinz Pammer“, zur Grenzlandförderung und ihren Wirkungen. Quelle
  5. Stadt Graz: „Hofrat Dr. Heinz Pammer“, Bezirkshauptmann von Graz-Umgebung ab 1962. Quelle
  6. Stadt Graz: „Hofrat Dr. Heinz Pammer“, Stadtrat der Landeshauptstadt Graz ab 1963, zuerst Liegenschaftsreferent, ab 1973 Kulturreferent. Quelle
  7. „Naturschutzbrief“, 1986, Nachruf „Zum Tode von Hofrat Dr. Heinz Pammer“, zu mehr als 1.000 eröffneten Ausstellungen und mehreren hundert Atelierbesuchen. Quelle
  8. Stadt Graz: „Hofrat Dr. Heinz Pammer“, zu Pammers Interesse an Denkmalpflege. Quelle
  9. „Naturschutzbrief“, 1986, Nachruf zu Pammers Einsatz für Stadtmuseum, Altstadterhaltung und die Reihe „Kunst in der Altstadt“. Quelle
  10. Stadt Graz: „Hofrat Dr. Heinz Pammer“, Gründung des Internationalen Städteforums Graz 1976; ergänzend „Naturschutzbrief“, 1986, Präsident des Städteforums seit 1976. Quelle Stadt Graz; Quelle Naturschutzbrief
  11. Stadt Graz: „Hofrat Dr. Heinz Pammer“, zur Entwicklung des Internationalen Städteforums Graz zu einer international anerkannten Institution für Altstadterhaltung und Ortsbildpflege. Quelle
  12. Stadt Graz: „Hofrat Dr. Heinz Pammer“, zum Europapreis 1979 für Graz. Quelle
  13. steirischer herbst Archiv: „Programm-Kuratorium“, Heinz Pammer, 1921–1986, Stadtrat 1963–1985, ÖVP. Quelle
  14. Margit Fritz-Schafschetzy: „Der Steiermärkische Kunstverein im Wandel der Zeit“, zur Wahl von Stadtrat a. D. Hofrat Dr. Heinz Pammer zum Präsidenten des Werkbundes im Jahr 1985.
  15. Steiermärkischer Kunstverein Werkbund: Kleine Werkbund-Chronik, Eintrag 1985, Wahl Pammers zum Präsidenten, Vizepräsidenten Adolf A. Osterider und Frank Peter Hofbauer, Dietrich Cordes als Ehrenpräsident auf Lebenszeit. Quelle
  16. Steiermärkischer Kunstverein Werkbund: „Geschichte des Werkbund“, zur Neuorientierung der 1980er-Jahre, zu Pammer als Grazer Kulturpolitiker, zu seiner organisatorisch umsichtigen Führung und zu Adolf A. Osterider und Frank Peter Hofbauer als Vizepräsidenten. Quelle
  17. Steiermärkischer Kunstverein Werkbund: Kleine Werkbund-Chronik, Eintrag 1985, zur Übersiedlung der obersteirischen Werkbund-Dependance nach Kapfenberg, zu Ausstellungen in Wien und Darmstadt sowie zur Gastschau „Kunstlandschaft Schleswig-Holstein“. Quelle
  18. Biografische Darstellung Curt Schnecker: Aufnahme Schneckers 1984 in den Vorstand des Steiermärkischen Kunstvereins Werkbund durch den damaligen Kulturstadtrat Hofrat Dr. Heinz Pammer; nach Pammers Ableben 1986 Betrauung mit der alleinigen Geschäftsführung. Quelle
  19. „125 Jahre Steiermärkischer Kunstverein Werkbund“, interne Werkbund-Publikation: Stadtrat i. R. W. Hofrat Dr. Heinz Pammer als Präsident; Adolf Anton Osterider als erster Vizepräsident, Frank Peter Hofbauer als zweiter Vizepräsident, Dietrich Edmund Cordes als Ehrenpräsident und Curt Schnecker als Schriftführer.
  20. Stadt Graz: „Hofrat Dr. Heinz Pammer“, verstorben am 26. Oktober 1986; „Naturschutzbrief“, 1986, Nachruf zum Tod Pammers am Nationalfeiertag 1986. Quelle Stadt Graz; Quelle Naturschutzbrief
  21. Fritz-Schafschetzy: „Der Steiermärkische Kunstverein im Wandel der Zeit“, zur Ausübung des Präsidentenamtes bis zu Pammers Tod 1986 und zur Nachfolge durch Adolf Anton Osterider nach interimistischer Leitung 1987.
  22. Interne Präsidentenliste des Steiermärkischen Kunstvereins Werkbund: „1985–1988 Stadtrat a. D. Hofrat Dr. Heinz Pammer“.
  23. „Naturschutzbrief“, 1986, Nachruf: Würdigung Pammers als Brückenbauer, Mann des Dialogs, mit Gespür für Fairness und europäischem Kontaktwillen. Quelle