WERKBUND-KÜNSTLER VERSTORBEN

Gerhard Haidvogel

* 1921 – † 2012

Gerhard Haidvogel ist Künstler und Mitglied des Steiermärkischen Kunstvereins Werkbund in Graz. Disziplin: Architektur. Mitglied seit 1986.

Mitglied seit 1986 Architektur Maler
Gerhard Haidvogel

Künstlerischer Lebenslauf

Gerhard Haidvogel wurde am 14. Jänner 1921 in Wien geboren und verstarb am 5. März 2012. Er zählt zu jenen Persönlichkeiten, deren Wirken Architektur, Stadtentwicklung, Baukultur und bildende Kunst miteinander verband. Als Architekt prägte er über Jahrzehnte das Bauen in Graz und in der Steiermark; als Maler und Werkbundmitglied brachte er zugleich jenen offenen, spartenübergreifenden Kunstbegriff ein, der den Steiermärkischen Kunstverein Werkbund seit seiner Geschichte auszeichnet.1
Haidvogel war der Sohn des Magistratsbeamten und Schriftstellers Carl Julius Haidvogel und dessen Frau Lotte. Seine Jugend verbrachte er in Wien, wo er 1939 maturierte. Nach Arbeitsdienst, Wehrmachtszeit und amerikanischer Kriegsgefangenschaft in Texas und Arkansas kehrte er nach Europa zurück. In den schwierigen Nachkriegsjahren arbeitete er zunächst bei der Baufirma Rella und begann zugleich das Architekturstudium an der Technischen Hochschule Wien. Bereits 1947 legte er die erste Staatsprüfung ab. 1948 übernahm er gemeinsam mit einem Kollegen ein Architekturbüro; ab 1. Jänner 1950 war er selbstständig tätig. Aus dieser Phase entwickelte sich das Architekturbüro Haidvogel-Oratsch, später auch in Verbindung mit Erich Andree.21960 legte Haidvogel die Ziviltechnikerprüfung ab. Seine Architektur wurde von der Stadt Graz als „einfühlsam“ und „naturverbunden“ beschrieben. In Graz und der Steiermark entstanden unter seiner Mitwirkung zahlreiche Wohn-, Zweck-, Messe-, Verkehrs- und Infrastrukturbauten. Rund 1.000 Wohneinheiten im sozialen Wohnbau werden seinem Planungsumfeld zugeschrieben; dazu kommen unter anderem die Rosarium-Tiefgarage, die Tiefgarage am Andreas-Hofer-Platz, das Abfertigungs- und Restaurantgebäude des Flughafens Graz sowie Umspannwerke und Kraftwerksbauten an Mur und Enns.3Auch im institutionellen Gefüge der österreichischen Baukultur nahm Haidvogel eine bedeutende Stellung ein. Er wirkte in Ausschüssen der Ingenieurkammer, war Sektionsvorsitzender der Architektensektion, Vizepräsident der Landeskammer und von 1982 bis 1986 Präsident der Ingenieurkammer für Steiermark und Kärnten. Zuvor war er bereits erster Vizepräsident der Bundesingenieurkammer. Für seine Verdienste erhielt er 1985 das Große Goldene Ehrenzeichen des Landes Steiermark; 1989 wurde er zum Bürger der Stadt Graz ernannt.4

Baukünstlerische Spuren in Graz und der Steiermark

Zu den dokumentierten Projekten im Umfeld des Büros Haidvogel-Oratsch-Andree zählt die örtliche Bauaufsicht beim ORF-Landesstudio Steiermark in Graz-St. Peter. Das Bauwerk entstand 1978 bis 1981 nach Planung von Prof. Gustav Peichl und wurde 1982 im Rahmen der GerambRose gewürdigt. BauKultur Steiermark hebt dabei die funktionale Organisation, die geringe Gesamthöhe, die begrünten Dachterrassen und die Einfügung in die Umgebung hervor.5 Ein weiteres Beispiel ist das Wasserkraftwerk Bodendorf, fertiggestellt 1982, geplant von Haidvogel, Oratsch und Andree in Graz. Auch dieses Projekt wurde im Zusammenhang mit der GerambRose 1983 dokumentiert. Die Beschreibung betont die technische Dimension der Anlage und zugleich die Rücksichtnahme auf den landschaftlichen Eingriff: Die Baukörper seien angesichts der Größe der Kraftwerksanlage gut gegliedert und der Eingriff in die Landschaft vergleichsweise bescheiden.6 Um 1970 war das Büro Haidvogel-Oratsch-Andree zudem an der Erweiterung des Vianova Kunstharz-Forschungszentrums in der Leechgasse beteiligt, einem Projekt im Zusammenhang mit Roland Rainer. Damit wird Haidvogels Position auch innerhalb jener architekturgeschichtlichen Schnittstellen sichtbar, in denen funktionale Bauaufgaben, Forschung, Stadt und architektonische Haltung ineinandergreifen.7

Der Maler im Werkbund

Neben seiner architektonischen Arbeit entwickelte Gerhard Haidvogel ein eigenständiges künstlerisches Werk. In der Werkbund-Publikation 125 Jahre Steiermärkischer Kunstverein Werkbund 1865–1990 wird er als künstlerischer Autodidakt beschrieben, der wiederholt Malkurse bei den Professoren Adolf A. Osterider, N. Escher und Franz Luby besuchte. Seit 1986 war Haidvogel Mitglied des Werkbundes.8 Schon in den 1970er-Jahren ist seine malerische Präsenz belegbar: 1977 zeigte er Arbeiten in Graz-Eggenberg in der Steiermärkischen Sparkasse. Weitere Einzelausstellungen fanden unter anderem in der Galerie Columbia in Graz, im Flughafengebäude Graz-Thalerhof, in der Wiener Galerie Lucardis, 1987 in der Galerie im Operncafé Graz und 1988 im Café „Kaiserhof“ in Graz statt. 1987 nahm er an Ausstellungen im Ausland in Husum, Kiel und Norderstedt teil.9 Haidvogels Doppelbegabung als Architekt und Maler ist für den Werkbund besonders aufschlussreich. Sein künstlerisches Sehen entstand nicht losgelöst vom Bauen, sondern im Bewusstsein von Raum, Maßstab, Landschaft, Material und Konstruktion. Gerade darin liegt seine Bedeutung für den Steiermärkischen Kunstverein Werkbund: Er verkörpert eine Künstlerpersönlichkeit, in der technische Präzision, kulturelle Verantwortung und bildnerische Sensibilität zusammenfinden. 2016 wurde Haidvogels Werk unter dem Titel „REFLEXIONEN – Gerhard Haidvogel, Architekt, 1921–2012“ in der Ganggalerie der Salvatorpfarre in Graz gezeigt. Die Ausstellung fand anlässlich seines 95. Geburtstages statt und macht deutlich, dass sein Schaffen über seine Lebenszeit hinaus als architektonisches und künstlerisches Vermächtnis wahrgenommen wird.10

Auszeichnungen

  • 1985: Großes Goldenes Ehrenzeichen des Landes Steiermark
  • 1989: Ernennung zum Bürger der Stadt Graz

Quellen

  1. Stadt Graz: „Gerhard Haidvogel – Bürger der Stadt Graz, verstorben am 5. März 2012“, online: https://www.graz.at/cms/beitrag/10197541/7772794/Gerhard_Haidvogel.html
  2. Ebenda: biografische Angaben zu Herkunft, Ausbildung, Kriegsgefangenschaft, Studium und selbstständiger Tätigkeit.
  3. Ebenda: Angaben zu Wohnbau, Tiefgaragen, Flughafen Graz, Umspannwerken, Kraftwerken und Messebauten.
  4. Ebenda: Angaben zu Ingenieurkammer, Präsidentschaft 1982–1986, Großem Goldenen Ehrenzeichen des Landes Steiermark und Ernennung zum Bürger der Stadt Graz.
  5. BauKultur Steiermark: „Landesstudio Steiermark, Graz“, online: https://www.baukultur-steiermark.at/projekte/landesstudio-steiermark-graz/
  6. BauKultur Steiermark: „Wasserkraftwerk Bodendorf“, in der Kategorie GerambRose 1983, online: https://www.baukultur-steiermark.at/kategorien/1983/
  7. GAT – Graz Architektur Täglich: Karin Tschavgova, „In Memoriam Roland Rainer“, 13.04.2004, online: https://gat.news/nachrichten/memoriam-roland-rainer
  8. Steiermärkischer Kunstverein Werkbund: 125 Jahre Steiermärkischer Kunstverein Werkbund 1865–1990. Jubiläums-Ausstellung im Künstlerhaus Graz, Mai/Juni 1990, Künstlerbiografie „Architekt Gerhard Haidvogel“; Vereinsarchiv Werkbund.
  9. Ebenda: Ausstellungsverzeichnis und Werkbund-Mitgliedschaft seit 1986.
  10. GAT – Graz Architektur Täglich: „Gerhard Haidvogel: REFLEXIONEN“, Ausstellung 14.01.–01.03.2016, online: https://gat.news/termine/gerhard-haidvogel-reflexionen

Ausstellungen

  • Graz, Galerie Columbia
  • Graz-Eggenberg, Steiermärkische Sparkasse, 1977
  • Graz-Thalerhof, Flughafengebäude
  • Wien, Galerie Lucardis
  • Graz, Galerie im Operncafé, 1987
  • Graz, Galerie im Café „Kaiserhof“, 1988
  • 1987: Teilnahme an Ausstellungen in Husum, Kiel und Norderstedt, BRD