Rudolf Szyszkowitz – Steiermärkischer Kunstverein Werkbund
Ehemaliger Präsident

Prof. Rudolf Szyszkowitz

Präsident 1960 – 1968

* 27. April 1905† 6. Jänner 1976

Im Werkbund

1905–1976 | Maler, Grafiker, Lehrer an der Kunstgewerbeschule Graz und Präsident des Steiermärkischen Kunstvereins Werkbund

Prof. Rudolf Szyszkowitz gehört zu den bedeutenden steirischen Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Er wurde 1905 in Kärnten geboren, wuchs in Dalmatien auf und kam 1915 nach Graz.1 Graz wurde für ihn nicht nur Lebensort, sondern geistige und künstlerische Heimat. Hier verbanden sich in seinem Werk christliche Weltanschauung, Naturerfahrung, figürliche Malerei und ein tiefes Interesse am Menschen.

Seine künstlerische Ausbildung begann Szyszkowitz an der Grazer Kunstgewerbeschule, wo er Bildhauerei bei Wilhelm Gösser studierte. Danach setzte er seine Ausbildung an der Akademie der bildenden Künste in Wien fort, unter anderem bei Karl Sterrer und Rudolf Bacher.2 Schon früh zeigte sich jene Haltung, die sein gesamtes Werk prägen sollte: Szyszkowitz suchte nicht die gefällige Oberfläche, sondern eine Kunst, die dem Menschen, seiner Würde, seiner inneren Spannung und seiner geistigen Bestimmung gerecht wird.

Ein wesentlicher geistiger Impuls kam aus dem Bund Neuland, der reformkatholischen Jugendbewegung, der sich Szyszkowitz in Graz anschloss. Das Gedankengut dieser Bewegung wurde für sein Leben und Werk grundlegend.3 Es ging ihm nicht um kirchliche Illustration im engen Sinn, sondern um eine moderne, einfache und zugleich kraftvolle Bildsprache, die Glaubensinhalte, Naturerfahrung und menschliche Existenz miteinander verband.

1935 wurde Szyszkowitz als Professor zum Aufbau einer Meisterschule für Malerei an die Grazer Kunstgewerbeschule berufen. Diese Meisterklasse leitete er bis 1967, unterbrochen durch den Zweiten Weltkrieg.4 Seine Lehrtätigkeit wurde schulbildend für eine ganze Generation von Künstlerinnen und Künstlern. Die Neue Galerie Graz beschreibt ihn als engagierten und charismatischen Lehrer, der seinen Schülerinnen und Schülern weit über das Handwerkliche hinaus ein Weltbild sowie umfassende kunsthistorische und literarische Bildung vermittelte.5

Gerade diese Verbindung von künstlerischer Praxis, geistiger Haltung und pädagogischer Verantwortung machte Szyszkowitz auch für den Steiermärkischen Kunstverein Werkbund zu einer prägenden Persönlichkeit. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte sich der Kunstverein innerlich stark verändert. 1952 wurde innerhalb des Steiermärkischen Kunstvereins die Sektion „Werkbund“ gebildet, in der die ausübenden Künstlerinnen und Künstler zusammengefasst wurden.6 Viele Mitglieder standen in enger Verbindung zur Kunstgewerbeschule, darunter auch Rudolf Szyszkowitz.7

In den Jahren nach 1952 gewann der Werkbund innerhalb des Kunstvereins zunehmend Gewicht. Aus dem früher stärker kunstfreundlich-bildungsbürgerlich geprägten Verein wurde immer mehr ein aktiver Künstlerverein.8 Szyszkowitz stand in dieser Entwicklung für einen hohen künstlerischen und geistigen Anspruch. Er war kein bloßer Funktionär, sondern eine Persönlichkeit, deren eigene künstlerische Haltung auf den Verein ausstrahlte.

Die ausführliche Vereinschronik nennt für Szyszkowitz die Präsidentschaft des Steiermärkischen Kunstvereins Werkbund von 1960 bis 1968.9 Eine interne Präsidentenliste führt abweichend die Jahre 1961 bis 1967.10 Für die inhaltliche Würdigung bleibt entscheidend, dass seine Präsidentschaft die frühe Werkbund-Phase wesentlich prägte und dem Verein ein klares künstlerisches Profil gab.

Das Ziel des Vereins in diesen Jahren war es, die künstlerische Gleichberechtigung unterschiedlicher Kunstformen und Stilrichtungen öffentlich sichtbar zu machen.11 In einer Zeit, in der die gegenstandslose Malerei auch in der Steiermark zunehmend an Bedeutung gewann, trat der Steiermärkische Kunstverein Werkbund unter Szyszkowitz besonders für eine gegenständliche, auf das Menschenbild bezogene Malerei ein.12 Diese Haltung war nicht als bloße Abwehr der Moderne zu verstehen. Szyszkowitz selbst kannte die Errungenschaften der klassischen Moderne, blieb aber davon überzeugt, dass die Wiedererkennbarkeit des Menschen, der Natur und der sichtbaren Welt eine zentrale Aufgabe der Kunst bleiben müsse.

Sein eigenes Werk zeigt diese Haltung eindrucksvoll. Die Neue Galerie Graz beschreibt, dass Szyszkowitz nach dem Zweiten Weltkrieg eindeutig Stellung bezog: Für ihn blieb die Wiedererkennbarkeit des Naturvorbildes, vor allem des Menschenbildes, in der Malerei unabdingbar.13 Zugleich entwickelte er seine Kompositionen aus geometrisierend-abstrakten Elementen weiter, ohne die Verbindung zur äußeren Wirklichkeit aufzugeben.14 Genau darin liegt seine besondere Position: zwischen Tradition und Erneuerung, zwischen Gegenständlichkeit und formaler Verdichtung.

Den Höhepunkt der Werkbund-Ausstellungstätigkeit unter Szyszkowitz bildeten die beiden Ausstellungen „religio 61“ und „religio 65“.15 Beide Ausstellungen widmeten sich ausschließlich Werken religiösen Inhalts. Damit griff der Verein ein Anliegen auf, das schon in seiner frühen Geschichte eine Rolle gespielt hatte: die Pflege religiöser Kunst. Bereits in den Gründungsjahren war eine eigene Sektion für kirchliche Kunst geplant gewesen, die damals mangels ausreichenden Interesses nicht dauerhaft verwirklicht werden konnte.16

Unter Szyszkowitz wurde dieses alte Anliegen in neuer Form lebendig. Die religiöse Kunst wurde nicht historisierend verstanden, sondern als aktuelle künstlerische Aufgabe. Durch seinen Einfluss wurde sie zu einem zentralen Thema im Schaffen vieler Vereinsmitglieder.17 Die Ausstellung „religio 65“ erhielt zusätzliches Gewicht, weil sie als Jubiläumsausstellung zur 100-Jahr-Feier des Steiermärkischen Kunstvereins veranstaltet wurde.18 Gleichzeitig erschien zum hundertjährigen Bestehen eine umfangreiche Vereinschronik von DDr. Wilfried Skreiner.19

Die Bedeutung dieser Ausstellungen liegt nicht nur im religiösen Thema. Sie zeigen, dass der Werkbund unter Szyszkowitz Kunst als geistige Auseinandersetzung verstand. Das Religiöse war dabei nicht bloß Motiv, sondern eine Frage nach dem Menschen, nach Verantwortung, Leid, Hoffnung, Schöpfung und Erlösung. In dieser Hinsicht entsprach die Ausstellungspolitik des Vereins unmittelbar der künstlerischen Haltung seines Präsidenten.

Auch außerhalb des Kunstvereins wurde Szyszkowitz zu einem wichtigen Gestalter sakraler Räume. Seit den 1950er-Jahren schuf er zahlreiche Glasfenster und Kreuzwege für Kirchenräume in Österreich.20 Besonders eindrucksvoll sind die neun Glasfenster in der Kapelle des Grazer Priesterseminars, die zwischen 1961 und 1963 entstanden und die Heilsgeschichte von der Schöpfung bis zum Himmlischen Jerusalem darstellen.21 Diese Arbeiten zeigen, wie eng bei Szyszkowitz Kunst, Architektur, Licht und geistiger Inhalt miteinander verbunden waren.

Für den Steiermärkischen Kunstverein Werkbund war Szyszkowitz vor allem eine prägende Lehrer- und Leitfigur. Viele Mitglieder jener Jahre waren Schüler oder Absolventen der Kunstgewerbeschule. Die Vereinschronik nennt unter anderem Isabella Charburi, Maja Daroczi, Edwin Eder, Franz Felfer, Edith Mayr, Edith Müller, Luis Sammer, Erich Unterweger, Franz Weiß und Erika Wolf.22 Dadurch wurde der Werkbund auch zu einem Raum, in dem die künstlerische Schule Szyszkowitz’ weiterwirkte.

Diese Nähe zwischen Kunstgewerbeschule und Werkbund war für die steirische Kunstlandschaft wichtig. Sie verband Ausbildung, künstlerische Praxis und öffentliche Ausstellungstätigkeit. Der Verein bot Künstlerinnen und Künstlern nicht nur eine institutionelle Heimat, sondern auch eine Bühne, auf der sie ihr Schaffen in einem qualitätsorientierten Rahmen zeigen konnten.

Von 1964 bis 1972 lehrte Szyszkowitz außerdem als Nachfolger Oskar Kokoschkas an der Internationalen Sommerakademie in Salzburg.23 Damit reichte sein pädagogischer Einfluss weit über Graz und die Steiermark hinaus. Sein Werk und seine Lehre standen in einem österreichischen und internationalen Zusammenhang, blieben aber fest in der steirischen Kunstgeschichte verankert.

Prof. Rudolf Szyszkowitz steht in der Geschichte des Steiermärkischen Kunstvereins Werkbund für eine Phase geistiger Verdichtung und künstlerischer Standortbestimmung. Unter seiner Präsidentschaft behauptete der Werkbund die Bedeutung der gegenständlichen, menschenbezogenen Kunst in einer Zeit starker abstrakter Strömungen. Zugleich öffnete er den Blick auf eine religiöse Kunst, die nicht rückwärtsgewandt war, sondern aus der Gegenwart heraus sprach.

Für die Steiermark war Szyszkowitz Maler, Lehrer, Vermittler und geistige Autorität. Er prägte Generationen von Künstlerinnen und Künstlern, gab dem Werkbund ein klares Profil und führte ein altes Anliegen des Kunstvereins — die Pflege religiöser Kunst — zu einem neuen Höhepunkt. Sein Wirken zeigt, dass der Steiermärkische Kunstverein Werkbund immer dann besonders stark war, wenn künstlerische Qualität, geistige Haltung und öffentliche Verantwortung zusammenfanden.

Fußnoten

  1. Neue Galerie Graz / Universalmuseum Joanneum: „Rudolf Szyszkowitz (1905–1976). Zwischen Tradition und Erneuerung“, biografischer Hinweis: 1905 in Kärnten geboren, in Dalmatien aufgewachsen, 1915 nach Graz gekommen. Quelle
  2. Neue Galerie Graz / Universalmuseum Joanneum: Angaben zur Ausbildung an der Grazer Kunstgewerbeschule bei Wilhelm Gösser und an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Karl Sterrer und Rudolf Bacher. Quelle
  3. Neue Galerie Graz / Universalmuseum Joanneum: Hinweis auf den Bund Neuland und dessen grundlegende Bedeutung für Leben und Werk Szyszkowitz’. Quelle
  4. Neue Galerie Graz / Universalmuseum Joanneum: Berufung 1935 zum Aufbau einer Meisterschule für Malerei an der Grazer Kunstgewerbeschule, Leitung bis 1967. Quelle
  5. Neue Galerie Graz / Universalmuseum Joanneum: Würdigung Szyszkowitz’ als schulbildender, engagierter und charismatischer Lehrer. Quelle
  6. Margit Fritz-Schafschetzy: „Der Steiermärkische Kunstverein im Wandel der Zeit“, zur Bildung der Sektion „Werkbund“ innerhalb des Steiermärkischen Kunstvereins im Jahr 1952.
  7. Fritz-Schafschetzy: „Der Steiermärkische Kunstverein im Wandel der Zeit“, zur engen Verbindung vieler Werkbund-Künstler mit der Kunstgewerbeschule, darunter Rudolf Szyszkowitz.
  8. Fritz-Schafschetzy: „Der Steiermärkische Kunstverein im Wandel der Zeit“, zur Entwicklung des Werkbundes innerhalb des Kunstvereins zu einem aktiven Künstlerverein.
  9. Fritz-Schafschetzy: „Der Steiermärkische Kunstverein im Wandel der Zeit“, Abschnitt „Rudolf Szyszkowitz“, mit Angabe der Präsidentschaft von 1960 bis 1968.
  10. Interne Präsidentenliste des Steiermärkischen Kunstvereins Werkbund: „1961–1967 Rudolf Szyszkowitz“.
  11. Fritz-Schafschetzy: „Der Steiermärkische Kunstverein im Wandel der Zeit“, zum Ziel der künstlerischen Gleichberechtigung aller Kunstformen und Stilrichtungen.
  12. Fritz-Schafschetzy: „Der Steiermärkische Kunstverein im Wandel der Zeit“, zur Position des Steiermärkischen Kunstvereins Werkbund zugunsten einer gegenständlichen, auf das Menschenbild bezogenen Malerei.
  13. Neue Galerie Graz / Universalmuseum Joanneum: Szyszkowitz’ Stellungnahme nach dem Zweiten Weltkrieg zur Wiedererkennbarkeit des Naturvorbildes und des Menschenbildes. Quelle
  14. Neue Galerie Graz / Universalmuseum Joanneum: zu Szyszkowitz’ Verbindung von geometrisierend-abstrakten Elementen und klaren Bezügen zur äußeren Wirklichkeit. Quelle
  15. Fritz-Schafschetzy: „Der Steiermärkische Kunstverein im Wandel der Zeit“, zu den Ausstellungen „religio 61“ und „religio 65“ als Höhepunkt der Werkbund-Ausstellungstätigkeit unter Szyszkowitz.
  16. Fritz-Schafschetzy: „Der Steiermärkische Kunstverein im Wandel der Zeit“, Rückbezug auf das frühe Anliegen einer Sektion für kirchliche Kunst im Steiermärkischen Kunstverein.
  17. Fritz-Schafschetzy: „Der Steiermärkische Kunstverein im Wandel der Zeit“, zum Einfluss Rudolf Szyszkowitz’ auf die religiöse Kunst als zentrales Thema im Schaffen der Vereinsmitglieder.
  18. Fritz-Schafschetzy: „Der Steiermärkische Kunstverein im Wandel der Zeit“, zur Ausstellung „religio 65“ als Jubiläumsausstellung zur 100-Jahr-Feier des Kunstvereins.
  19. Fritz-Schafschetzy: „Der Steiermärkische Kunstverein im Wandel der Zeit“, zur Vereinschronik von DDr. Wilfried Skreiner anlässlich des 100-jährigen Jubiläums.
  20. Neue Galerie Graz / Universalmuseum Joanneum: Hinweis auf zahlreiche Glasfenster und Kreuzwege für sakrale Räume in Österreich seit den 1950er-Jahren. Quelle
  21. Austria-Forum: „Kapelle im Priesterseminar“, zur Fenster-Serie in der Kapelle des Grazer Priesterseminars, gestaltet von Rudolf Szyszkowitz 1961–1963. Quelle
  22. Fritz-Schafschetzy: „Der Steiermärkische Kunstverein im Wandel der Zeit“, zu den Mitgliedern der Szyszkowitz-Zeit, die vielfach Schüler beziehungsweise Absolventen der Kunstgewerbeschule waren.
  23. Neue Galerie Graz / Universalmuseum Joanneum: Lehrtätigkeit Szyszkowitz’ von 1964 bis 1972 als Nachfolger Oskar Kokoschkas an der Internationalen Sommerakademie in Salzburg. Quelle
  24. Foto: Nachlass/Familie Szyszkowitz, via Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 DE Quelle