Franz Graf von Meran – Steiermärkischer Kunstverein Werkbund
Ehemaliger Präsident

Franz Graf von Meran

Gründerfigur und erster Präsident

Präsident 1865 – 1885

11. März 1839, Wien; † 27. März 1891, Abbazia/Opatija Sohn Erzherzog Johanns und Anna Plochl. Gründerfigur und erster Präsident des 1865 gegründeten Steiermärkischen Kunstvereins. Unter seiner Präsidentschaft begann der Verein seine Tätigkeit mit Ausstellungen, Kunstankäufen, Künstlerförderung und öffentlicher Kunstvermittlung.

Im Werkbund

Gründerfigur und erster Präsident des Steiermärkischen Kunstvereins

Franz Ludwig Johann Jakob Gregor Graf von Meran, Freiherr von Brandhofen wurde am 11. März 1839 in Wien geboren und starb am 27. März 1891 in Abbazia, dem heutigen Opatija. Er war der Sohn Erzherzog Johanns von Österreich und Anna Plochl, der späteren Gräfin von Meran. Durch diese Herkunft stand Franz Graf von Meran in unmittelbarer Verbindung mit jenem steirischen Reform- und Bildungsgedanken, der das kulturelle Leben des Landes im 19. Jahrhundert nachhaltig prägte.

Seine Bedeutung für den heutigen Steiermärkischen Kunstverein Werkbund liegt in der Gründungsphase des Steiermärkischen Kunstvereins. Nachdem in Salzburg bereits 1844 und in Oberösterreich 1851 eigene Kunstvereine entstanden waren, wuchs auch in der Steiermark das Bedürfnis nach einer selbständigen Institution zur Förderung der bildenden Kunst. Ziel war es, den steirischen Künstlern und damit dem Land selbst zu dienen. Im Jahr 1864 wurden die Statuten des zu gründenden Vereins der Statthalterei in Graz vorgelegt. Das Proponentenkomitee wurde vom Bankier J. P. Morocutti geleitet; als Schriftführer wirkte Dr. Franz Mitterbacher. Der neue Verein sollte die Interessen der steirischen Kunst, der Kunstpflege und besonders die Förderung einheimischer Künstler in der Steiermark wahrnehmen, insbesondere auch bei der Vergabe öffentlicher Aufträge.¹

Die Gründung wurde in der Hauptversammlung am 28. Jänner 1865 abgeschlossen. In dieser Versammlung erfolgte die Wahl der Vereinsfunktionäre. Zum ersten Präsidenten wählte der Verein Franz Graf von Meran, der diese Wahl annahm. Damit übernahm er die Obhut über den jungen Kunstverein und führte, dem Lebenswerk seines Vaters Erzherzog Johann verpflichtet, die Förderung von Kunst, Bildung und öffentlicher Kulturarbeit in der Steiermark weiter.¹

Unter seiner Präsidentschaft nahm der Verein rasch seine Tätigkeit auf. Bereits im ersten Vereinsjahr wurden in Graz drei Ausstellungen veranstaltet. Zwei jährliche Ausstellungen, eine im Frühjahr und eine im Spätherbst, wurden zur Regel. Zusätzlich zeigte der Verein Werke des 1865 verstorbenen Wiener Historienmalers Carl Rahl. Die frühe Tätigkeit war nicht nur auf Ausstellungspraxis beschränkt, sondern zielte auf eine breitere Hebung des Kunstverständnisses. Kunst sollte nicht nur einem kleinen Kreis zugänglich sein, sondern durch Ausstellungen, Druckgrafik, Prämienblätter und kunstpädagogische Wirkung in die Öffentlichkeit getragen werden.¹

Der Erfolg der Anfangsjahre zeigt, dass der Verein ein tatsächliches Bedürfnis der steirischen Öffentlichkeit erfüllte. Nach einem Jahr zählte er bereits 72 Mitglieder, setzte 1350 Anteilscheine ab und verfügte über eine finanzielle Sicherstellung von mehr als 3000 Gulden. Die erste Ausstellung besuchten 5466, die zweite 6699 zahlende Personen. Auch die Einnahmen aus dem Katalogverkauf waren für die damalige Zeit beachtlich. Neben dem Ankauf von Gemälden seiner Mitglieder gehörten auch die Vergabe von Aufträgen, die Verlosung von Kunstwerken und später die Vergabe von Stipendien zu den Mitteln der Künstlerförderung.¹

Franz Graf von Meran stand damit nicht nur formal an der Spitze des Vereins. Seine Präsidentschaft gab dem jungen Kunstverein gesellschaftliches Gewicht, Kontinuität und Anschluss an die joanneische Tradition. Bereits in den ersten Jahren entfaltete der Verein auch über Graz hinaus Wirkung: Er unternahm eine Ausstellung in Marburg, eröffnete später eine Zweigniederlassung in Laibach und beteiligte sich aktiv an Fragen der Kunstpflege und künstlerischen Ausbildung. 1866 unterstützte der Verein eine Petition zur Reform der ständischen Zeichenakademie und zur Anpassung des Kunstunterrichts an die Bedürfnisse der Zeit.¹

Der heutige Steiermärkische Kunstverein Werkbund steht in dieser historischen Linie. Aus der damaligen Idee, Kunst, Bildung, Öffentlichkeit und Künstlerförderung miteinander zu verbinden, entwickelte sich eine Institution, die bis heute das steirische Kunstleben mitgestaltet.

Franz Graf von Meran war kein Künstler im engeren Sinn, sondern eine kulturtragende Persönlichkeit. Seine Leistung bestand darin, einer jungen steirischen Kunstinstitution Rückhalt, Öffentlichkeit und Richtung zu geben. Er steht am Beginn einer Vereinsgeschichte, die den Künstlerinnen und Künstlern des Landes eine Bühne gab und Kunst als lebendige Aufgabe der Gegenwart verstand.

Quellen / Fußnoten

  1. Wilfried A. Skreiner: 100 Jahre Steiermärkischer Kunstverein 1865–1965. Steiermärkischer Kunstverein – Werkbund, Graz 1965, S. 7–9.
  2. Deutsche Biographie: „Meran, Franz Graf von“, Indexeintrag.
  3. Franz Ilwof: „Franz Graf von Meran“, in: Mittheilungen des Historischen Vereines für Steiermark, Heft 39, 1891.
  4. 150 Jahre Steiermärkischer Kunstverein Werkbund, Jubiläumsbuch, Graz 2015.
  5. 160 Jahre Steiermärkischer Kunstverein Werkbund, Jubiläumsbuch, Graz 2025.