Ehemaliger Präsident

Alexander Silvri

Präsident 1968 – 1969

* 09.01.1910† 21.07.1986

Im Werkbund

Prof. Alexander Silveri

1910–1986 | Bildhauer, Lehrer an der Grazer Kunstgewerbeschule und Präsident des Steiermärkischen Kunstvereins Werkbund

Prof. Alexander Silveri gehört zu den wichtigen Bildhauerpersönlichkeiten der steirischen Kunst des 20. Jahrhunderts. Er wurde in Graz geboren und starb auch in seiner Heimatstadt.1 Sein Werk ist eng mit der religiösen Kunst, der menschlichen Figur, der Erfahrung von Krieg und Leid sowie mit der bildhauerischen Gestaltung öffentlicher und sakraler Räume verbunden. Silveri war kein Künstler der lauten Geste. Seine Arbeiten suchen nicht den schnellen Effekt, sondern die innere Spannung: Körper, Schmerz, Glaube, Verantwortung und Hoffnung werden bei ihm zu plastischer Form.

Seine Ausbildung begann an der Grazer Kunstgewerbeschule, wo er 1928 die Meisterklasse für Holz- und Steinbildhauerei bei Wilhelm Gösser absolvierte.2 Danach setzte er seine künstlerische Ausbildung an der Akademie der bildenden Künste in Wien fort.3 Früh stand Silveri in Verbindung mit dem Bund Neuland. Dieses katholisch geprägte geistige Umfeld verstand Kunst nicht als bloße Dekoration, sondern als Weg zur Erneuerung von Mensch und Gesellschaft.4 Diese Haltung blieb für Silveris Werk grundlegend.

In der Grazer Kunstlandschaft begegnet Silveri damit mehreren Künstlerpersönlichkeiten, die auch für den späteren Werkbund wichtig wurden. Rudolf Szyszkowitz, Albin Stranig und andere Künstler des Neuland-Kreises verband das Interesse an einer Kunst, die soziale Verantwortung, religiöse Tiefe und handwerkliche Strenge miteinander vereint. Silveri war in diesem Umfeld der Bildhauer: einer, der die geistige Suche nicht auf der Leinwand, sondern im Material austrug.

Schon vor dem Zweiten Weltkrieg erhielt Silveri bedeutende Aufgaben. 1936 begann er mit einem großen Auftrag für das Volkskundemuseum in Graz: 38 Figuren aus Zirbenholz für den Trachtensaal.5 Diese Arbeit zeigt eine Seite seines Schaffens, die für die Steiermark besonders wichtig ist: die Verbindung von Figuration, Handwerk, regionaler Kultur und musealer Präsentation. Silveri konnte menschliche Gestalten nicht nur anatomisch erfassen, sondern ihnen Haltung, Charakter und Würde geben.

Der Zweite Weltkrieg wurde zu einem tiefen Einschnitt. Silveri wurde 1940 zur Deutschen Wehrmacht eingezogen und nahm am Feldzug in Griechenland teil.6 Nach 1945 treten in seinem Werk Kriegserfahrung und Religiosität deutlich hervor.7 Seine Kunst verherrlicht nicht, sondern ringt mit der Frage, wie der Mensch nach Gewalt, Zerstörung und Schuld noch aufrecht stehen kann. Diese existentielle Schwere unterscheidet Silveri von vielen dekorativeren Positionen seiner Zeit.

1945 wurde Silveri Lehrer für Holz- und Steinbildhauerei an der Grazer Kunstgewerbeschule, der späteren Ortweinschule. Dort wirkte er bis 1972.8 Damit prägte er über Jahrzehnte die bildhauerische Ausbildung in Graz. Seine Lehrtätigkeit war für den Steiermärkischen Kunstverein Werkbund von besonderer Bedeutung, weil viele Künstlerinnen und Künstler des Werkbundes in enger Beziehung zur Kunstgewerbeschule standen. Die Vereinschronik nennt Silveri ausdrücklich in jenem Kreis von Künstlern, die durch Adolf Anton Osterider zum Vereinsbeitritt bewogen wurden und eng mit der Kunstgewerbeschule verbunden waren.9

Diese Verbindung von Schule, künstlerischer Praxis und Verein war für die Nachkriegsentwicklung des Steiermärkischen Kunstvereins wesentlich. Seit 1948 hatte sich der Verein zunehmend von einem klassischen Kunstfreunde- und Bildungsverein zu einem Künstlerverband entwickelt. 1952 wurde innerhalb des Steiermärkischen Kunstvereins die Sektion „Werkbund“ gebildet, in der die ausübenden Künstlerinnen und Künstler zusammengefasst wurden.10 Silveri gehörte zu jenem künstlerischen Umfeld, das dieser Umstrukturierung Profil gab.

Der Werkbund der Nachkriegszeit war stark von der Kunstgewerbeschule, vom handwerklichen Können und von einer gegenständlichen, menschenbezogenen Kunstauffassung geprägt. Silveris Bildhauerei passte in dieses Profil: Sie war figurativ, aber nicht oberflächlich naturalistisch; religiös grundiert, aber nicht bloß illustrativ; handwerklich streng, aber innerlich bewegt. Sein Werk suchte die Form des Menschen nicht als äußere Hülle, sondern als Ausdruck seelischer Erfahrung.

Besonders deutlich wird das in seinen sakralen Arbeiten. Silveris Hauptaugenmerk galt der religiösen Kunst und der Gestaltung von Kirchenräumen. Zu seinem Gesamtwerk zählen Porträts, religiöse Bildnisse, Büsten, figurale Skulpturen, Grab- und Bauplastiken; er arbeitete mit Holz, Ton, Eisen, Bronze, Stein, Wachs und Gips.11 Damit war er ein Bildhauer im umfassenden Sinn: nicht auf ein Material oder eine Funktion festgelegt, sondern imstande, die jeweilige Aufgabe aus dem Geist des Ortes und des Materials zu entwickeln.

Zu seinen bekannten Werken zählen unter anderem das Kruzifix in Stahlguss in der Grazer Franziskanerkirche, die Kreuzigungsgruppe in der Pfarrkirche „Zur heiligen Familie“ in Graz, Werke in der Stiegenkirche St. Paul und das Hochaltarkreuz der Pfarrkirche Kalsdorf bei Graz.12 Diese Arbeiten zeigen Silveri als Künstler, der das Sakrale nicht weichzeichnet. Seine Christusbilder und religiösen Figuren tragen oft eine herbe, verdichtete Ausdruckskraft. Sie wollen nicht beruhigen, sondern zur Betrachtung zwingen.

Von besonderer öffentlicher Bedeutung ist das Mahnmal gegen den Krieg am Paulustor in Graz. Das 1961 errichtete Werk zeigt Krieg, Leid und Hoffnung und zählt zu den künstlerisch bedeutenden Denkmälern seiner Zeit.13 Es verzichtet auf heroische Überhöhung. Stattdessen zeigt es Verwundung, Zerstörung und den Versuch des Menschen, dem Bösen nicht das letzte Wort zu lassen. Darin liegt eine zentrale Stärke von Silveris Kunst: Sie stellt sich der Geschichte, ohne sie pathetisch zu verklären.

Auch für den Steiermärkischen Kunstverein Werkbund wurde Silveri zu einer wichtigen Persönlichkeit. Nach der Präsidentschaft von Rudolf Szyszkowitz übernahm er 1968 für kurze Zeit die Leitung des Werkbundes im Kunstverein.14 Seine Präsidentschaft dauerte nur bis 1969, doch sie steht an einer wichtigen Übergangsstelle. Der Werkbund hatte sich in den 1950er- und 1960er-Jahren als aktiver Künstlerverein gefestigt; nach der langen und prägenden Amtszeit Szyszkowitz’ mussten neue Leitungsformen gefunden werden.

Silveri war in dieser Situation weniger der organisatorische Langzeitpräsident als eine künstlerische Autorität. Seine kurze Amtszeit steht für Kontinuität: für die Verbindung von Werkbund, Kunstgewerbeschule, religiöser Kunst und einer Bildhauerei, die den Menschen in den Mittelpunkt stellte. Gerade weil er selbst aus der Lehre, aus der Werkstatt und aus der öffentlichen Kunst kam, verkörperte er jene praktische, ernsthafte Kunstauffassung, die den Werkbund lange prägte.

Die Vereinschronik nennt ihn in einer Reihe von Präsidenten, die nach Rudolf Szyszkowitz jeweils für kurze Zeit die Leitung des Werkbundes übernahmen: Alexander Silveri 1968–1969, Werner Augustiner 1969–1970, Ulf Mayer 1970–1972 und Franz W. Scheucher 1972–1976.15 Diese Folge zeigt, dass der Verein damals von mehreren Künstlerpersönlichkeiten getragen wurde, die das Werkbund-Profil in unterschiedlichen Akzenten weiterführten.

Für die Steiermark war Silveri zugleich Künstler und Lehrer. Zu seinen Schülern und seinem Umfeld gehörten spätere bedeutende Bildhauer und Künstler. Die Ortweinschule nennt ihn unter den ehemaligen Lehrern; der Grazer Kulturserver führt etwa bei Ulf Mayer die Ausbildung an der Meisterschule für Holz- und Steinbildhauerei bei Walter Ritter und Alexander Silveri an.16 Damit reicht Silveris Wirkung über sein eigenes Werk hinaus in die nächste Künstlergeneration.

Silveris Kunst wurde auch öffentlich anerkannt. Er war Träger des Kleinen Staatspreises 1937; später erhielt er den Würdigungspreis des Landes Steiermark für bildende Kunst und das Goldene Ehrenzeichen des Landes Steiermark.17 Diese Auszeichnungen spiegeln die Bedeutung eines Künstlers, der über Jahrzehnte im steirischen Kunstleben präsent war und dessen Arbeiten bis heute im öffentlichen und sakralen Raum sichtbar geblieben sind.

Prof. Alexander Silveri steht in der Geschichte des Steiermärkischen Kunstvereins Werkbund für die bildhauerische Seite jener Werkbund-Generation, die Kunst, Handwerk, religiöse Tiefe und menschliche Verantwortung eng miteinander verband. Er war kein Künstler des Spektakels, sondern einer der Form, des Materials und der inneren Wahrhaftigkeit. Seine Arbeiten sprechen von Leid und Trost, von Körper und Geist, von Schuld und Hoffnung.

Für den Werkbund ist Silveri deshalb mehr als ein kurzer Präsident der Jahre 1968/69. Er gehört zu jenem Kern von Künstlern, durch den der Verein nach dem Zweiten Weltkrieg sein Profil als qualitätsbewusster Künstlerverein gewann. Sein Name steht für eine Kunst, die aus der Werkstatt kommt, aber weit über das Handwerk hinausgeht — eine Kunst, die den Menschen ernst nimmt und ihm im Material eine bleibende Gestalt gibt.

Fußnoten

  1. Belvedere Archiv: „SILVERI Alexander“, Geburtsort Graz, Kunstrichtung Bildhauer; ergänzend Grazer Denkspaziergang zum Mahnmal: Silveri als in Graz geborener und 1986 in Graz verstorbener Bildhauer. Quelle Belvedere; Quelle Graz interessiert mich
  2. Universalmuseum Joanneum, Volkskundemuseum: „Wer waren die Künstler?“, Alexander Silveri; Abschluss der Meisterklasse für Holz- und Steinbildhauerei bei Wilhelm Gösser 1928. Quelle
  3. Universalmuseum Joanneum, Volkskundemuseum: Hinweis auf das Studium an der Akademie der bildenden Künste Wien. Quelle
  4. Universalmuseum Joanneum, Volkskundemuseum: Silveris Eintritt in den Bund Neuland und dessen religiöses Verständnis von Kunst als Weg zur Erneuerung von Gesellschaft. Quelle
  5. Universalmuseum Joanneum, Volkskundemuseum: Großauftrag für 38 Figuren aus Zirbenholz im Trachtensaal ab 1936. Quelle
  6. Universalmuseum Joanneum, Volkskundemuseum: Einzug Silveris zur Deutschen Wehrmacht 1940 und Teilnahme am Feldzug in Griechenland. Quelle
  7. Universalmuseum Joanneum, Volkskundemuseum: Nachkriegswerk geprägt von Kriegserfahrung und Religiosität. Quelle
  8. HTBLVA Graz-Ortweinschule / Austria-Forum: Alexander Silveri als ehemaliger Lehrer, Bildhauer, 1945–1972. Quelle
  9. Margit Fritz-Schafschetzy: „Der Steiermärkische Kunstverein im Wandel der Zeit“, zur Verbindung von Rudolf Szyszkowitz, Rudolf Spohn, Hans Adametz und Alexander Silveri mit der Kunstgewerbeschule sowie zum Vereinsbeitritt durch Adolf Anton Osterider.
  10. Fritz-Schafschetzy: „Der Steiermärkische Kunstverein im Wandel der Zeit“, zur Bildung der Sektion „Werkbund“ innerhalb des Steiermärkischen Kunstvereins im Jahr 1952.
  11. Austria-Forum / AustriaWiki: „Alexander Silveri“, Überblick zu Werk, Materialien und sakralem Schwerpunkt. Quelle
  12. Austria-Forum / AustriaWiki: „Alexander Silveri“, Werkbeispiele; ergänzend Austria-Forum: „Liste der Kunstwerke im öffentlichen Raum in Graz / Innere Stadt“ mit Werken Silveris in der Stiegenkirche und am Paulustor. Quelle Alexander Silveri; Quelle Kunstwerke Graz
  13. Universalmuseum Joanneum, Volkskundemuseum, zum 1961 errichteten Mahnmal gegen den Krieg; ergänzend Grazer Denkspaziergang „Ein Symbol gegen den Krieg“, Beschreibung des Reliefs und seines Standortes beim Paulustor. Quelle Joanneum; Quelle Denkspaziergang
  14. Fritz-Schafschetzy: „Der Steiermärkische Kunstverein im Wandel der Zeit“, zur Leitung des Werkbundes durch Alexander Silveri 1968–1969.
  15. Fritz-Schafschetzy: „Der Steiermärkische Kunstverein im Wandel der Zeit“, zur Abfolge der Präsidenten nach Rudolf Szyszkowitz: Alexander Silveri, Werner Augustiner, Ulf Mayer und Franz W. Scheucher.
  16. Kulturserver Graz: „Prof. Ulf Mayer“, Ausbildung an der Meisterschule für Holz- und Steinbildhauerei in Graz bei Walter Ritter und Alexander Silveri; ergänzend Ortweinschule / Austria-Forum zu Silveris Lehrtätigkeit. Quelle Kulturserver Graz; Quelle Ortweinschule
  17. Universalmuseum Joanneum, Volkskundemuseum: Silveri als Träger des Kleinen Staatspreises 1937; Austria-Forum / AustriaWiki: Würdigungspreis des Landes Steiermark für bildende Kunst 1979 und Goldenes Ehrenzeichen des Landes Steiermark 1985. Quelle Joanneum; Quelle Austria-Forum